„Mama, mein Bauch tut weh.“
Diesen Satz kennen wahrscheinlich die meisten Eltern. Bauchschmerzen kommen bei Kindern häufig vor und sind oft nur vorübergehend. Doch was ist, wenn das Bauchweh immer wiederkehrt? Wenn Ihr Kind morgens vor der Schule, nach dem Essen, abends oder scheinbar ohne erkennbaren Grund über Schmerzen klagt?
Spätestens dann beginnen viele Eltern sich zu fragen: Warum hat mein Kind ständig Bauchschmerzen?
Wiederkehrende Bauchschmerzen können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb lohnt es sich, nicht nur auf den einzelnen Schmerzmoment zu schauen, sondern Zusammenhänge zu erkennen: Wann treten die Beschwerden auf? Wie ist die Verdauung? Gibt es Veränderungen beim Stuhlgang? Spielen bestimmte Lebensmittel, Infekte oder belastende Situationen eine Rolle?
Bauchschmerzen bei Kindern sind nicht immer leicht einzuordnen
Gerade jüngere Kinder können Beschwerden noch nicht so genau beschreiben wie Erwachsene. Manchmal wird fast jedes unangenehme Gefühl im Bereich des Rumpfes als „Bauchweh“ bezeichnet.
Hinzu kommt, dass Bauchschmerzen nicht zwangsläufig bedeuten, dass tatsächlich eine Erkrankung des Magen-Darm-Traktes vorliegt.
Bei wiederkehrenden Bauchschmerzen können beispielsweise Verdauungsprobleme und Verstopfung, Infektionen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder andere körperliche Erkrankungen eine Rolle spielen. Auch sogenannte funktionelle Bauchschmerzen kommen bei Kindern vor. Dabei bestehen echte Beschwerden, obwohl sich keine ausreichende organische Ursache nachweisen lässt.
Deshalb ist es wichtig, wiederkehrendes Bauchweh ernst zu nehmen, ohne hinter jedem Bauchschmerz gleich eine schwere Erkrankung zu vermuten.
Wann sollten Bauchschmerzen ärztlich abgeklärt werden?
Bevor nach weiteren Zusammenhängen gesucht wird, müssen mögliche Erkrankungen erkannt beziehungsweise ausgeschlossen werden.
Eine zeitnahe kinderärztliche Abklärung ist insbesondere wichtig, wenn die Bauchschmerzen stark sind, plötzlich auftreten oder zunehmen, wenn Ihr Kind deutlich krank wirkt oder wenn weitere auffällige Beschwerden hinzukommen.
Besondere Aufmerksamkeit benötigen beispielsweise:
- starke oder zunehmende Schmerzen
- anhaltendes oder wiederholtes Erbrechen
- Blut im Stuhl oder Erbrochenen
- Fieber in Verbindung mit deutlichen Bauchschmerzen
- Gewichtsverlust oder mangelnde Gewichtszunahme
- nächtliche Beschwerden, durch die das Kind aufwacht
- länger anhaltender oder häufig wiederkehrender Durchfall
- ein deutlich beeinträchtigter Allgemeinzustand
Auch wiederkehrende Bauchschmerzen, für die es bisher keine Erklärung gibt, sollten zunächst kinderärztlich besprochen werden.
Wenn Bauchschmerzen immer wiederkommen: Muster erkennen
Sind ernsthafte beziehungsweise behandlungsbedürftige Erkrankungen abgeklärt, beginnt häufig die eigentliche Detektivarbeit.
Gerade bei wiederkehrenden Beschwerden ist für mich eine Frage besonders wichtig:
Gibt es ein Muster?
Denn ein einzelner Bauchschmerz sagt wenig aus. Die Begleitumstände können dagegen wichtige Hinweise liefern.
1. Stuhlgang und Verstopfung
Verstopfung ist bei Kindern häufig und kann sich durch Bauchschmerzen bemerkbar machen. Dabei geht es nicht ausschließlich darum, wie oft ein Kind Stuhlgang hat.
Auch sehr harter Stuhl, Schmerzen beim Toilettengang, bewusstes Zurückhalten oder sehr große Stuhlmengen können Hinweise sein.
Manche Kinder entwickeln regelrechte Vermeidungsstrategien, weil der Stuhlgang bereits einmal wehgetan hat. Dadurch kann sich das Problem weiter verstärken.
In meinem Beitrag „Verstopfung bei Kindern: 7 Ursachen, die Eltern häufig übersehen“ gehe ich auf dieses Thema ausführlicher ein.
2. Ernährung und mögliche Unverträglichkeiten
Auch die Ernährung kann eine Rolle spielen. Interessant ist deshalb nicht nur, was ein Kind isst, sondern auch, ob sich zeitliche Zusammenhänge erkennen lassen.
Treten die Bauchschmerzen beispielsweise regelmäßig nach bestimmten Mahlzeiten auf? Kommen Blähungen, Durchfall oder auffällige Veränderungen des Stuhls hinzu? Werden bestimmte Lebensmittel besonders schlecht vertragen?
Solche Beobachtungen können bei der weiteren Abklärung hilfreich sein.
Von umfangreichen Auslassdiäten auf eigene Faust halte ich dagegen wenig. Werden Lebensmittelgruppen über längere Zeit gestrichen, kann das gerade bei Kindern zu einer unnötig einseitigen Ernährung führen. Bei einem konkreten Verdacht sollte deshalb gezielt abgeklärt werden, ob tatsächlich eine Unverträglichkeit oder andere Erkrankung vorliegt.
3. Darm und Darmflora
Der Darm ist weit mehr als ein „Verdauungsrohr“. Darmschleimhaut, Darmmikrobiom, Immunsystem, Ernährung und Verdauung stehen in komplexer Wechselwirkung miteinander.
Das bedeutet allerdings nicht, dass hinter jedem Bauchschmerz automatisch eine „gestörte Darmflora“ steckt.
Interessant wird die Darmgesundheit vor allem dann, wenn mehrere Auffälligkeiten zusammenkommen. Dazu können beispielsweise wiederkehrende Bauchschmerzen, Blähungen, Veränderungen des Stuhlgangs oder Beschwerden im zeitlichen Zusammenhang mit vorausgegangenen Infekten oder Medikamenteneinnahmen gehören.
Dem Thema Darmflora bei Kindern werde ich deshalb einen eigenen Beitrag widmen.
Wenn Bauchschmerzen gemeinsam mit Blähungen, Durchfall oder Verstopfung auftreten, finden Sie weitere mögliche Zusammenhänge in meinem Beitrag „Verdauungsbeschwerden beim Kind“.
4. Wiederkehrender Durchfall oder auffällig weicher Stuhl
Ein einmaliger Durchfall im Rahmen eines Infektes ist etwas anderes als Stuhlveränderungen, die immer wieder auftreten.
Für die Einordnung kann es hilfreich sein zu beobachten:
Wie häufig hat das Kind Stuhlgang? Wie sieht der Stuhl aus? Treten gleichzeitig Bauchschmerzen oder Blähungen auf? Gibt es Zusammenhänge mit bestimmten Lebensmitteln? Bestehen die Veränderungen schon länger?
Anhaltende oder häufig wiederkehrende Durchfälle gehören unbedingt abgeklärt.
Je nach Beschwerdebild können auch Infektionen oder Parasiten als mögliche Ursache eine Rolle spielen. Mehr dazu lesen Sie in meinem Beitrag „Parasiten bei Kindern“.
5. Stress, Aufregung und das Nervensystem
Der Satz „Das ist nur psychisch“ wird Kindern mit Bauchschmerzen nicht gerecht.
Unser Verdauungssystem und unser Nervensystem stehen in enger Verbindung. Stress, Angst, Aufregung oder Überforderung können deshalb tatsächlich körperlich spürbar werden.
Das kennen übrigens auch viele Erwachsene: Vor einer wichtigen Prüfung, einer schwierigen Situation oder einem aufregenden Ereignis reagiert plötzlich der Bauch.
Bei Kindern können beispielsweise Kindergarten oder Schule, Konflikte, Leistungsdruck, Veränderungen innerhalb der Familie oder eine generell hohe Sensibilität eine Rolle spielen.
Das bedeutet nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind. Das Bauchweh ist real.
Deshalb gehört auch die Frage, was ein Kind aktuell emotional beschäftigt, zu einer umfassenden Betrachtung wiederkehrender Beschwerden.
6. Wenn Untersuchungen unauffällig sind und das Bauchweh trotzdem bleibt
Diese Situation verunsichert Eltern besonders:
Das Kind hat immer wieder Beschwerden, aber bei den bisherigen Untersuchungen wurde keine eindeutige organische Ursache gefunden.
Das bedeutet nicht automatisch, dass „nichts ist“.
Bei Kindern gibt es funktionelle Bauchschmerzen, bei denen sich keine ausreichende strukturelle oder organische Erklärung für die Beschwerden findet. Trotzdem können die Schmerzen den Alltag erheblich beeinträchtigen.
Gerade dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Gibt es Zusammenhänge mit Verdauung und Stuhlgang? Ernährung? Stress? Schlaf? vorausgegangenen Erkrankungen? Oder treten verschiedene Faktoren gleichzeitig auf?
Mehr zu dieser Situation erfahren Sie in meinem Beitrag „Wenn Ärzte nichts finden: Warum Ihr Kind trotzdem Beschwerden hat“.
Ein Bauchschmerz-Tagebuch kann erstaunlich hilfreich sein
Wenn Beschwerden immer wieder auftreten, empfehle ich Eltern zunächst, einige Tage oder Wochen genauer zu beobachten.
Notieren Sie beispielsweise:
- Wann treten die Bauchschmerzen auf?
- Wo zeigt Ihr Kind die Schmerzen?
- Wie lange dauern sie?
- Treten sie vor oder nach dem Essen auf?
- Was wurde zuvor gegessen und getrunken?
- Wie häufig hat Ihr Kind Stuhlgang?
- Wie ist die Beschaffenheit des Stuhls?
- Bestehen gleichzeitig Blähungen, Übelkeit oder andere Beschwerden?
- Gab es an diesem Tag besondere Aufregung oder Stress?
- Gibt es einen Zusammenhang mit Kindergarten, Schule oder bestimmten Situationen?
Dabei geht es nicht darum, jedes Essen und jedes Bauchgrummeln akribisch zu überwachen. Gesucht werden wiederkehrende Muster.
Ein solches Tagebuch kann sowohl beim Kinderarzt als auch in meiner Praxis eine wertvolle Grundlage für die weitere Anamnese sein.
Wie ich bei wiederkehrenden Bauchschmerzen in meiner Naturheilpraxis vorgehe
In meiner Naturheilpraxis in Neuenstein im Hohenlohekreis begleite ich unter anderem Kinder mit wiederkehrenden Verdauungsbeschwerden und Bauchschmerzen.
Am Anfang steht bei mir nicht sofort eine bestimmte Therapie, sondern eine ausführliche Anamnese.
Dabei interessiert mich beispielsweise:
Wie haben sich die Beschwerden entwickelt? Wie sieht die Ernährung aus? Wie sind Verdauung und Stuhlgang? Welche Erkrankungen gab es zuvor? Wurden Medikamente eingenommen? Gibt es weitere Beschwerden? Und welche Faktoren könnten im Alltag des Kindes eine Rolle spielen?
Aus diesen Informationen ergibt sich anschließend, welche Bereiche genauer betrachtet werden sollten und ob weitere Untersuchungen sinnvoll sein können.
Wenn Bauchschmerzen zum Dauerthema werden
Gelegentliches Bauchweh gehört bei vielen Kindern zum Alltag. Wenn Bauchschmerzen jedoch ständig wiederkehren, den Alltag beeinträchtigen oder weitere Beschwerden hinzukommen, sollten Eltern genauer hinschauen.
Nicht immer gibt es die eine Ursache.
Manchmal entsteht erst aus mehreren Beobachtungen ein schlüssiges Gesamtbild.
Und genau deshalb kann es hilfreich sein, nicht nur zu fragen:
„Was hilft gegen die Bauchschmerzen?“
Sondern zunächst:
„Warum treten sie bei meinem Kind immer wieder auf?“
Wenn die Bauchschmerzen Ihres Kindes immer wiederkehren und Sie den möglichen Zusammenhängen genauer auf den Grund gehen möchten, können wir uns die individuelle Situation Ihres Kindes gemeinsam anschauen.
Dann vereinbaren Sie gerne zunächst ein kurzes telefonisches Vorgespräch.
