Wenn die ersten Worte auf sich warten lassen und Eltern beginnen zu zweifeln.

Vielleicht kennen Sie diesen Gedanken:

„Mein Kind ist schon 18 Monate alt und spricht noch nicht. Ich mache mir langsam Sorgen.“

Oder Ihr Kind ist bereits zwei Jahre alt und sagt nur wenige Wörter, während andere Kinder im gleichen Alter schon kleine Sätze bilden.

Vielleicht haben Sie schon alles ausprobiert:

✔ Sie schauen gemeinsam Bilderbücher an.

✔ Sie kommentieren Ihren Alltag.

✔ Sie singen Lieder und sprechen viel mit Ihrem Kind.

✔ Sie geben sich jeden Tag die größte Mühe.

Und trotzdem fragen Sie sich immer häufiger:

„Mache ich etwas falsch?“

Die gute Nachricht vorweg:

Nein.

Die Sprachentwicklung verläuft bei jedem Kind unterschiedlich. Manche Kinder sprechen sehr früh, andere benötigen einfach etwas mehr Zeit. Gleichzeitig gibt es Situationen, in denen es sinnvoll ist, genauer hinzuschauen.

In diesem Artikel erfahren Sie, was hinter einer späten Sprachentwicklung stecken kann, was sogenannte Late Talker sind und wann eine Abklärung sinnvoll ist.


Wie entwickelt sich Sprache normalerweise?

Kinder entwickeln Sprache nicht nach einem festen Zeitplan. Während einige bereits mit 18 Monaten viele Wörter sprechen, äußern sich andere zunächst überwiegend mit Gestik, Mimik oder einzelnen Lauten.

Dabei zählt nicht nur, wie viele Wörter ein Kind spricht.

Ebenso wichtig ist:

  • Versteht Ihr Kind einfache Aufforderungen?
  • Zeigt es auf Dinge, die es möchte?
  • Nimmt es Blickkontakt auf?
  • Kommuniziert es durch Gestik und Mimik?
  • Hat es Freude am gemeinsamen Spielen?

Die gesamte Entwicklung ist oft aussagekräftiger als die reine Anzahl der gesprochenen Wörter.


Was bedeutet eigentlich „Late Talker“?

Als Late Talker bezeichnet man Kinder zwischen etwa 18 und 35 Monaten, deren Sprachentwicklung langsamer verläuft als bei gleichaltrigen Kindern.

Typisch ist:

  • Das Sprachverständnis ist häufig gut.
  • Das Kind versteht viele Aufforderungen.
  • Es spricht selbst jedoch nur wenige Wörter.

Viele Late Talker holen diesen Rückstand bis zum Kindergartenalter vollständig auf.

Ein Teil der Kinder benötigt jedoch eine gezielte Förderung. Deshalb lohnt es sich, die Entwicklung aufmerksam zu beobachten.

Ausführliche Informationen zum Thema Late Talker finden Eltern auch beim Deutschen Bundesverband für Logopädie (dbl).


Wann ist eine späte Sprachentwicklung noch normal?

Diese Frage stellen sich viele Eltern.

Und tatsächlich gibt es darauf keine pauschale Antwort.

Manche Kinder konzentrieren sich zunächst stärker auf ihre motorische Entwicklung und sprechen später.

Andere beobachten erst sehr genau ihre Umgebung, bevor sie selbst anfangen zu sprechen.

Auch das familiäre Umfeld oder das individuelle Temperament können eine Rolle spielen.

Nicht jedes Kind entwickelt sich nach demselben Zeitplan und genau das ist zunächst einmal völlig normal.


Wann sollten Eltern genauer hinschauen?

Eine kinderärztliche oder entwicklungsdiagnostische Abklärung ist sinnvoll, wenn:

  • Ihr Kind mit zwei Jahren kaum Wörter spricht,
  • keine Zweiwortkombinationen entstehen,
  • Ihr Kind Sprache nur eingeschränkt versteht,
  • kaum Blickkontakt oder gemeinsame Aufmerksamkeit besteht,
  • die Sprachentwicklung über längere Zeit stagniert,
  • oder Sie als Eltern ein anhaltend ungutes Bauchgefühl haben.

Eine frühe Abklärung bedeutet nicht automatisch, dass eine ernsthafte Störung vorliegt. Sie hilft vielmehr dabei, mögliche Ursachen rechtzeitig zu erkennen und gegebenenfalls gezielt zu unterstützen.


Was können Eltern im Alltag tun?

Die wichtigste Botschaft vorweg:

Setzen Sie Ihr Kind nicht unter Druck.

Sprache entwickelt sich am besten in einer entspannten und liebevollen Umgebung.

Das können Sie tun:

  • Sprechen Sie viel mit Ihrem Kind – ganz selbstverständlich im Alltag.
  • Kommentieren Sie gemeinsame Erlebnisse.
  • Schauen Sie regelmäßig Bilderbücher an.
  • Singen Sie Kinderlieder.
  • Nutzen Sie Reime und Fingerspiele.
  • Geben Sie Ihrem Kind Zeit zu antworten.
  • Freuen Sie sich über jedes neue Wort.
  • Vermeiden Sie ständiges Verbessern oder Abfragen.
  • Reduzieren Sie möglichst den Medienkonsum und schaffen Sie Raum für gemeinsame Gespräche.

Kinder lernen Sprache vor allem durch echte Begegnungen – nicht durch Perfektion.

Auch ausreichend Bewegung an der frischen Luft, ein erholsamer Schlaf und eine ausgewogene Ernährung tragen zu einer gesunden Entwicklung bei. Wie eng insbesondere der Darm und das Immunsystem miteinander verbunden sind, habe ich bereits in einem weiteren Blogbeitrag ausführlich beschrieben.


Häufige Fragen von Eltern

Mein Kind ist 18 oder 19 Monate alt und spricht noch nicht. Ist das normal?

Viele Kinder sprechen ihre ersten Wörter in diesem Alter, andere benötigen etwas mehr Zeit. Entscheidend ist die gesamte Entwicklung Ihres Kindes und nicht allein die Anzahl der gesprochenen Wörter.

Mein Kind versteht alles, spricht aber kaum. Woran kann das liegen?

Ein gutes Sprachverständnis ist grundsätzlich ein positives Zeichen. Manche Kinder brauchen einfach länger, bis sie selbst aktiv sprechen. Dennoch sollte die Entwicklung regelmäßig beobachtet werden.

Holen Late Talker den Rückstand wieder auf?

Ja. Viele Kinder holen ihre sprachliche Entwicklung vollständig auf. Einige profitieren jedoch von einer frühzeitigen logopädischen oder entwicklungsfördernden Begleitung.

Fördert Fernsehen oder das Tablet die Sprachentwicklung?

Nein. Kinder lernen Sprache vor allem im direkten Kontakt mit anderen Menschen – durch gemeinsames Spielen, Erzählen und Vorlesen.

Wann sollte ich mit meinem Kind zum Kinderarzt?

Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Sprachentwicklung über längere Zeit stagniert oder weitere Auffälligkeiten bestehen, sollten Sie Ihren Kinderarzt ansprechen. Gemeinsam kann entschieden werden, ob weitere Untersuchungen sinnvoll sind.


Was Eltern jetzt wissen sollten

Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Deshalb ist es wenig hilfreich, das eigene Kind ständig mit anderen zu vergleichen.

Gleichzeitig gilt aber auch: Ihre Sorgen sind berechtigt und dürfen ernst genommen werden.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind sprachlich Unterstützung benötigen könnte, sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Kinderarzt. Eine rechtzeitige Abklärung schafft Sicherheit und ermöglicht, falls erforderlich, eine gezielte Förderung.

Bis dahin dürfen Sie Ihrem Kind vor allem eines schenken: Zeit, Geduld und viele schöne gemeinsame Gespräche. Denn Sprache entsteht nicht unter Druck, sondern in einer Umgebung, in der sich Kinder sicher und verstanden fühlen.

Sie machen sich Sorgen um die Entwicklung Ihres Kindes?

Als Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Kinderheilkunde begleite ich Familien täglich bei den unterschiedlichsten Fragen rund um die Entwicklung ihrer Kinder. Mir ist wichtig, Eltern zunächst Sicherheit zu geben, ihre Sorgen ernst zu nehmen und gemeinsam zu überlegen, welche nächsten Schritte sinnvoll sind.

Nicht jedes Kind, das später spricht, benötigt eine Behandlung, manchmal braucht es einfach Zeit. Gleichzeitig kann eine frühzeitige Abklärung dabei helfen, mögliche Ursachen zu erkennen und Ihr Kind bestmöglich zu unterstützen.

Wenn Sie unsicher sind oder sich eine individuelle Einschätzung wünschen, vereinbaren Sie gerne einen Termin in meiner Praxis. Gemeinsam schauen wir, was Ihr Kind braucht und wie wir es auf seinem Entwicklungsweg bestmöglich begleiten können.

Weitere Informationen für Eltern

Wenn Sie sich intensiver mit der Sprachentwicklung Ihres Kindes beschäftigen möchten, finden Sie außerdem sachliche Informationen auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ).

 


Bild generiert mit KI (ChatGPT)