Parasiten bei Kindern sind ein Thema, über das viele Eltern nur ungern sprechen. Dabei hat eine Infektion mit Würmern oder anderen Darmparasiten nichts mit mangelnder Sauberkeit oder schlechter Hygiene in der Familie zu tun.

Gerade Kinder haben engen Kontakt miteinander, spielen im Sand und auf dem Boden, fassen vieles an und nehmen ihre Hände anschließend unbewusst an den Mund. Dadurch können bestimmte Parasiten leichter übertragen werden.

Nicht jede Parasiteninfektion verursacht deutliche Beschwerden. Manchmal sind die Anzeichen sehr typisch, manchmal bleiben sie zunächst unspezifisch.

Umso wichtiger ist es, bei einem konkreten Verdacht nicht auf einzelne vermeintliche „Parasitenzeichen“ zu vertrauen, sondern gezielt hinzuschauen.

Welche Parasiten kommen bei Kindern vor?

Nicht jeder Parasit spielt bei Kindern in Deutschland die gleiche Rolle.

Zu den bekannteren Darmparasiten gehören unter anderem:

Madenwürmer

Madenwürmer gehören zu den häufigsten Wurminfektionen im Kindesalter.

Typisch ist vor allem ein starker Juckreiz am After, insbesondere abends und nachts. Ursache ist, dass die weiblichen Würmer ihre Eier bevorzugt nachts in der Haut rund um den After ablegen.

Kinder schlafen dadurch möglicherweise unruhiger und kratzen sich. Über die Hände können die Eier anschließend erneut in den Mund gelangen oder auf Gegenstände und Oberflächen übertragen werden.

Innerhalb einer Familie können sich Madenwürmer deshalb relativ leicht verbreiten.

Giardien

Giardien sind einzellige Parasiten, die den Dünndarm besiedeln können.

Eine Infektion kann ohne Beschwerden verlaufen. Möglich sind aber auch:

  • Durchfall
  • Blähungen
  • Bauchkrämpfe oder Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • auffällig riechender oder fettiger Stuhl
  • Müdigkeit
  • bei länger bestehenden Beschwerden auch Gewichtsverlust

Gerade bei wiederkehrendem oder länger anhaltendem Durchfall sollte deshalb je nach Vorgeschichte auch an eine mögliche Infektion gedacht werden.

Spulwürmer

Spulwürmer kommen weltweit vor und sind insbesondere in Regionen mit ungünstigen hygienischen Bedingungen verbreitet.

Viele Infektionen verursachen zunächst keine Beschwerden. Bei stärkerem Befall können unter anderem Bauchbeschwerden auftreten.

Welche Parasiten überhaupt infrage kommen, hängt deshalb immer auch von den Lebensumständen, Reisen und möglichen Übertragungswegen ab.

Wie können sich Kinder mit Parasiten anstecken?

Die Übertragungswege unterscheiden sich je nach Parasitenart.

Mögliche Wege sind beispielsweise:

  • über verunreinigte Hände und Oberflächen
  • über engen Kontakt mit anderen Kindern oder Familienmitgliedern
  • über Erde oder verunreinigte Lebensmittel
  • über verunreinigtes Wasser
  • auf Reisen
  • je nach Parasitenart über nicht ausreichend erhitzte Lebensmittel

Bei Madenwürmern erfolgt die Übertragung vor allem über die mikroskopisch kleinen Eier. Diese können über Hände und Gegenstände wieder in den Mund gelangen.

Deshalb können sich Infektionen innerhalb von Familien oder Gemeinschaftseinrichtungen hartnäckig halten.

Welche Symptome können auf Parasiten bei Kindern hinweisen?

Hier ist mir eine Unterscheidung besonders wichtig:

Es gibt nicht die eine Symptomliste, anhand derer Eltern erkennen können, dass ihr Kind Parasiten hat.

Viele Beschwerden können zahlreiche andere Ursachen haben.

Einige Anzeichen können jedoch je nach Parasitenart Anlass geben, genauer hinzuschauen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • nächtlicher Juckreiz am After
  • sichtbare kleine Würmer im Bereich des Afters oder im Stuhl
  • wiederkehrender oder länger anhaltender Durchfall
  • auffällige Veränderungen des Stuhls
  • Blähungen
  • Bauchschmerzen oder Bauchkrämpfe
  • Übelkeit
  • unerklärlicher Gewichtsverlust
  • bei länger bestehenden Beschwerden eine beeinträchtigte Gewichtsentwicklung

Dunkle Augenringe, Heißhunger auf Süßigkeiten, Zähneknirschen oder Verhaltensauffälligkeiten allein sind dagegen kein verlässlicher Nachweis für einen Parasitenbefall.

Bauchschmerzen bedeuten nicht automatisch Parasiten

Gerade wiederkehrende Bauchschmerzen lassen Eltern schnell nach möglichen Ursachen suchen.

Parasiten sind dabei eine mögliche Ursache unter vielen.

Wesentlich häufiger können beispielsweise Verstopfung, Infekte, Ernährung, funktionelle Bauchschmerzen oder andere körperliche und emotionale Faktoren eine Rolle spielen.

Wenn Ihr Kind regelmäßig über Bauchweh klagt, finden Sie in meinem ausführlichen Beitrag „Mein Kind hat immer wieder Bauchschmerzen: Welche Ursachen sollten genauer angeschaut werden?“ einen Überblick über mögliche Zusammenhänge.

👉  Wiederkehrende Bauchschmerzen bei Kindern: Ursachen

Durchfall, Blähungen oder Verstopfung?

Treten neben Bauchschmerzen vor allem Veränderungen der Verdauung auf, sollte auch der Stuhlgang genauer betrachtet werden.

Dabei sind beispielsweise folgende Fragen interessant:

Wie häufig hat das Kind Stuhlgang? Hat sich die Konsistenz verändert? Bestehen Durchfall und Blähungen über längere Zeit? Gibt es Verstopfung oder wechseln sich verschiedene Beschwerden ab?

Nicht jede Veränderung des Stuhlgangs spricht für Parasiten. Sie kann aber wichtige Hinweise für die weitere Abklärung liefern.

Mehr zu möglichen Zusammenhängen finden Sie in meinem Beitrag „Verdauungsbeschwerden beim Kind“.

 

Wie werden Parasiten bei Kindern festgestellt?

Die Diagnostik richtet sich danach, welcher Parasit vermutet wird.

Bei Verdacht auf Madenwürmer kann beispielsweise der sogenannte Klebestreifentest eingesetzt werden. Dabei wird morgens vor dem Waschen und Toilettengang ein transparenter Klebestreifen auf die Haut rund um den After gedrückt und anschließend auf Wurmeier untersucht.

Bei anderen Parasiten kann eine Stuhluntersuchung erforderlich sein.

Da manche Erreger oder Entwicklungsstadien nicht in jeder einzelnen Probe nachweisbar sind, können je nach Verdacht mehrere Proben an unterschiedlichen Tagen sinnvoll sein.

Welche Untersuchung geeignet ist, sollte deshalb von der konkreten Situation und dem vermuteten Erreger abhängig gemacht werden.

Wann sollte ein Kind ärztlich untersucht werden?

Ein konkreter Parasitenverdacht sollte insbesondere dann kinderärztlich abgeklärt werden, wenn Beschwerden länger bestehen oder deutlich ausgeprägt sind.

Das gilt beispielsweise bei:

  • länger anhaltendem oder starkem Durchfall
  • Blut im Stuhl
  • starken oder zunehmenden Bauchschmerzen
  • anhaltendem Erbrechen
  • deutlichem Gewichtsverlust
  • mangelnder Gewichtszunahme
  • ausgeprägter Schwäche oder einem deutlich beeinträchtigten Allgemeinzustand

Auch wenn Sie Würmer oder auffällige Bestandteile im Stuhl entdecken, sollten Sie dies ärztlich abklären lassen.

Bei einem bestätigten Parasitenbefall stehen je nach Erreger wirksame Medikamente zur Verfügung. Welche Behandlung notwendig ist und ob gegebenenfalls weitere Familienmitglieder berücksichtigt werden sollten, hängt von der jeweiligen Infektion ab.

Was können Eltern zur Vorbeugung tun?

Nicht jede Infektion lässt sich verhindern. Einige einfache Maßnahmen können das Übertragungsrisiko jedoch reduzieren.

Dazu gehören:

  • regelmäßiges Händewaschen, insbesondere nach dem Toilettengang und vor dem Essen
  • Fingernägel kurz und sauber halten
  • möglichst nicht an Fingernägeln kauen
  • Obst und Gemüse gründlich waschen
  • Lebensmittel ausreichend erhitzen, wenn dies erforderlich ist
  • bei Madenwurmbefall Unterwäsche und Schlafkleidung regelmäßig wechseln
  • individuelle Hygieneempfehlungen während einer Behandlung beachten

Gerade bei Madenwürmern ist es wichtig, Reinfektionen innerhalb der Familie möglichst zu vermeiden.

Wie ich Kinder mit wiederkehrenden Verdauungsbeschwerden in meiner Praxis begleite

Nicht jedes Kind mit Bauchschmerzen, Blähungen oder verändertem Stuhlgang hat Parasiten.

Deshalb steht auch bei einem entsprechenden Verdacht zunächst eine ausführliche Anamnese im Vordergrund.

Dabei schaue ich unter anderem auf:

  • Art und Dauer der Beschwerden
  • Stuhlgang und Stuhlbeschaffenheit
  • Ernährung
  • vorausgegangene Infekte
  • Medikamenteneinnahme
  • Reisen und mögliche Ansteckungssituationen
  • weitere körperliche Beschwerden
  • bisherige Untersuchungen und Befunde

Besteht ein konkreter Verdacht auf eine Parasiteninfektion, sollte dieser gezielt diagnostisch abgeklärt werden.

Wird tatsächlich eine Infektion festgestellt, richtet sich die Behandlung nach dem jeweiligen Erreger. Naturheilkundliche Maßnahmen können dabei sehr gut unterstützen.

Parasiten oder doch eine andere Ursache?

Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder unruhiger Schlaf können viele Ursachen haben.

Deshalb halte ich wenig davon, bei unspezifischen Beschwerden vorschnell von Parasiten auszugehen oder auf Verdacht eine „Parasitenkur“ durchzuführen.

Viel sinnvoller ist die Frage:

Welche Beschwerden zeigt mein Kind tatsächlich und welche Ursachen passen zu diesem Beschwerdebild?

Manchmal führt diese Spur zu einer Parasiteninfektion.

Oft liegt die Erklärung aber ganz woanders.

Genau deshalb ist eine gezielte Abklärung wichtiger als eine lange Liste vermeintlich typischer Parasitenzeichen.

Sie möchten die Beschwerden Ihres Kindes genauer abklären?

Wenn Ihr Kind immer wieder unter Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder anderen Verdauungsbeschwerden leidet und Sie sich fragen, welche Zusammenhänge dahinterstecken könnten, können wir die bisherige Situation gemeinsam betrachten.

In einem kostenfreien telefonischen Vorgespräch können wir zunächst klären, worum es bei Ihrem Kind geht und ob eine Begleitung in meiner Praxis sinnvoll ist.

➡️ Vereinbaren Sie hier gerne ein kostenfreies 15-minütiges telefonisches Vorgespräch.

Bildnachweis: generiert mit KI (ChatGPT)